Echtes Irresein

Liebe Insassen und Patienten des deutschsprachigen Flügels der Anstalt,

Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen drei Gattungen von Insassen:

  1. Jene, die wissen, dass sie in einem Irrenhaus leben und darunter leiden. Das ist jene Gruppe, für die noch Hoffnung besteht.
  2. Jene, die wissen, dass sie von Irren umgeben sind und ihr Verhalten darauf einstellen. Aus dieser Gruppe rekrutieren wir grundsätzlich unsere Wärter und Aufseher.
  3. Jene, die alle für verrückt erklären, ohne zu bemerken, wie bescheuert sie selbst sind. Das sind unsere hoffnungslosen Dauergäste.

Ein perfektes Beispiel für die letzte Gruppe ist unser Mitbewohner Walter E., der seit etlichen Jahren eine moderat bekannte Seite betreut.

Walter E.

Er findet sich nur ungern in unserer Zeit zurecht, würde lieber (was nicht unbedingt irre sein muss) in einer absolutistischen Monarchie leben , wo er dann aber für seine Verdienste in den erblichen Adelsstand erhoben werden würde.
Zwar sind offen ausgelebte Wunschträume von der eigenen Grandezza nicht zwangsläufig ein Indikator für ein Irresein, doch hat das bereits ein G‘schmäckle.

Um die Beschreibung des werten Herren abzukürzen: auf seiner Seite findet man auch ein Blog, dessen Linksammlung über aktuelle Vorkommnisse auf dieser Welt ein interessanter Ausgangspunkt für weitere Recherchen für Blogger jeder Couleur ist.

Für Herrn E. sind sämtliche Nachrichten lediglich ein Indiz für den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch.
Wirklich unmittelbar, versteht sich.
Nicht nächstes Monat, nein: diese Woche, wahrscheinlich sogar bereits übermorgen!

Seit Jahren geht das so. Eine kaputte Uhr zeigt mindestens zweimal am Tag die richtige Uhrzeit, und Herr E. wird irgendwann gewiss den Untergang treffsicher prognostiziert haben, zumal er inzwischen beinahe täglich eintritt.

So sagt er stets dem Angriff radikaler Moslems auf alle Ungläubigen voraus, massenhaft Tote, unglaubliches Blutvergießen und eine „Reinigung“ der Gesellschaft von sämtlichen Abschaum aus Politik, Justiz und Presse.

Davon schreibt er nicht nur, sondern spricht auch ganz offen davon. So kann es schon passieren, dass er Beamten, von denen er sich ungerecht behandelt fühlt, direkt mit sibirischem Straflager droht, „wenn der Kaiser wiederkehrt“.

Die derart angefeindeten Zeitgenossen zeigen übrigens meist einen bewundernswerten Gleichmut, was die Tiraden des Herrn W. betrifft.

Manchmal aber scheint es manchen derart gequälten zu bunt zu werden. Herr E. wurde vor kurzem einer Amtsärztin vorgeführt, die, wie es scheint, ebenfalls ziemlich rabiat von ihm angegangen wurde. Nach eigenem Bekunden schaffte es E. nur mit viel Glück, einer Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik zu entgehen.

Hier nun, liebe Insassen, einer seiner letzten Kommentare, der, wie wir meinen, recht anschaulich belegt, dass er der dritten, oben angeführten Kategorie zuzurechnen ist:

Ja, über Pfingsten könnte ein Moslem-Angriff auf uns kommen. Ich war heute auch noch einkaufen. Aber mit Maske. Sonst sperrt mich die irre Amtsärztin wirklich noch in die Psychiatrie. Aber ich bringe sie bald auf den Scheiterhaufen.WE.

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